Pressekonferenz am 20.01.2010 mit Staatssekretärin Julia Klöckner

ISCC - weltweit erstes staatlich anerkanntes Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen

Berlin, 20. Januar 2010. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat das Zertifizierungssystem "International Sustainability and Carbon Certification" (ISCC) vorläufig anerkannt. Damit ist ISCC das weltweit erste Zertifizierungssystem, das für die Kontrolle der Einhaltung der Nachhaltigkeitsanforderungen bei Biokraftstoffen und flüssige Biomasse für die Stromerzeugung staatlich zugelassen ist.

"Die Anerkennung durch die BLE ist ein Meilenstein für das ISCC-System", sagt Dr. Norbert Schmitz, Geschäftsführer der ISCC System GmbH. "Landwirtschaft, Handel und Industrieunternehmen können über ISCC Nachhaltigkeit und entstandene Treibhausgasemissionen auf allen Verarbeitungsstufen nachweisen. Die staatliche Anerkennung ist Grundlage dafür, dass die zertifizierte Bioenergie auf die Quotenverpflichtungen angerechnet bzw. gefördert wird."

ISCC ist das Ergebnis eines global ausgerichteten Multi-Stakeholder-Prozesses. Mehr als 200 Organisationen aus Europa, Amerika und Südostasien waren an der Entwicklung beteiligt. "Die zweijährige Pilotphase hat es uns erst ermöglicht, ein praxistaugliches System zu entwickeln, das den völlig neuartigen Anforderungen der Nachhaltigkeitsverordnungen und den Gegebenheiten in den verschiedenen Regionen und den globalen Agrarmärkten entspricht", sagt Schmitz. Soja, Ölpalm, Zuckerrohr wurden ebenso einbezogen wie beispielsweise Raps und Getreide in Europa. Nachhaltigkeitsanforderungen gelten damit gleichermaßen für alle landwirtschaftlichen Rohstoffe und Regionen.

Mit dem Instrument ISCC wird auch die Einhaltung von Nachhaltigkeitsanforderungen in der EU und Deutschland überprüft. Dies entspricht dem Bedarf der heimischen Landwirtschaft und der verarbeitenden Unternehmen mit ihren umfangreichen internationalen Handelsverflechtungen.

Ende Januar startet der reguläre Betrieb des Systems. Dann haben 40 Auditoren aus aller Welt an einem umfangreichen ISCC-Training in Berlin teilgenommen und können vor Ort die Nachhaltigkeitsanforderungen überprüfen und erste Zertifikate ausstellen. Über eine Internet-Plattform werden den Auditoren die erforderlichen Instrumente zur Verfügung gestellt und Zertifikate registriert.
Besondere Herausforderungen bestehen darin, sicherzustellen, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden und der Anbau von Biomasse keine schützenswerten Flächen zerstört. Beides ist für viele Unternehmen wie Auditoren Neuland. Zu den schützenswerten Flächen gehören z.B. Regenwälder oder Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand wie Feuchtgebiete und Torfmoore. Auch muss nachgewiesen werden, dass der Einsatz von Bioenergie gegenüber fossilen Energieträgern mindestens 35% weniger Treibhausgase freisetzt. Darüber hinaus muss die Rückverfolgbarkeit von Biokraftstoffen und flüssiger Biomasse über die Lieferketten bis zum Ursprung gewährleistet sein, was bei der Komplexität der globalen Rohstoffmärkte ebenfalls eine Herausforderung darstellt. Mit dem ISCC System können diese Herausforderungen gemeistert werden und den Marktbeteiligten flexible und zuverlässige Lösungen angeboten werden.

An der zukünftigen Weiterentwicklung des Systems können sich alle interessierten Stakeholder beteiligen. Hierzu wird am 26. Januar der ISCC e.V. in Berlin gegründet, der sich als eine Plattform für den offenen Dialog zu zentralen Fragen von Nachhaltigkeit und Zertifizierung versteht.

ISCC_Pressemitteilung_20_Januar2010.pdf (183KB)