ISCC Generalversammlung: Positive Bilanz nach einem Jahr Nachhaltigkeitszertifizierung von Biomasse

Brüssel, 08.02.2011

ISCC (International Sustainability and Carbon Certification), das weltweit erste staatlich anerkannte Zertifizierungssystem für Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen, zieht nach einem Jahr im operativen Betrieb auf seiner Generalversammlung in Brüssel eine positive Bilanz.

Norbert Schmitz, Geschäftsführer der ISCC System GmbH erklärte vor 140 Gästen aus Industrie, Politik und Verwaltung: „Wir haben Anfang 2010 den Regelbetrieb aufgenommen und seitdem weltweit 171 Zertifikate ausgestellt. Über 250 von uns geschulte Auditoren sind seither auf der ganzen Welt unterwegs, um Plantagen, Farmen, Ölmühlen und Pflanzenölraffinerien nach den ISCC-Kriterien auf Nachhaltigkeit zu prüfen. Eine gute Bilanz für Klimaschutz und Artenvielfalt.“

Von den 171 ausgestellten Zertifikaten wurden über 80 Prozent in der Europäischen Union vergeben. In Indonesien und Malaysia wurden bereits Palmölplantagen und Ölmühlen nach den ISCC-Kriterien zertifiziert und in den USA die ersten Ethanolanlagen. Die Zertifizierung von Soja und Ethanol in Südamerika ist derzeit in der Vorbereitung.

ISCC setzt nicht nur die gesetzlichen Anforderungen für nachhaltige Biomasse im Bioenergie- und Biokraftstoffbereich um. „Wenn wir mittelfristig Faktoren, wie die indirekte Landnutzungsänderungen, in den Griff bekommen wollen, müssen wir die Nachhaltigkeitsanforderungen auf alle Anwendungsbereiche ausdehnen. Deutlich weniger als ein Zehntel der weltweiten Palmölproduktion beispielsweise wird im Bioenergiesektor eingesetzt. Der überwiegende Teil geht, ohne Mindestanforderungen, in den Nahrungsmittelsektor sowie in den Non-Food-Bereich“, so Norbert Schmitz

Deutschland hat die europäische Erneuerbare-Energien-Richtline fristgerecht zum 01.01.2011 umgesetzt. Seitdem müssen die gesetzlichen Nachhaltigkeitsverordnungen für Biokraftstoffe und flüssige Biomasse für den Strombereich eingehalten werden. „In den letzten zwei Monaten hat sich die Zahl der Registrierungen bei ISCC fast verdoppelt“, so Schmitz. „Die Unternehmen haben die Bedeutung von Nachhaltigkeit erkannt.“ 44 Prozent der europäischen Bioethanol-Kapazität sind bereits ISCC zertifiziert sowie 23 Prozent der Biodiesel-Kapazität. „Diese Kapazitäten müssen jetzt noch nachhaltige Biomasse beziehen, um auch nachhaltigen Biokraftstoff liefern zu können“, so Schmitz weiter.

Vom ISCC-Verein wurde auf der Generalversammlung Ian Pinner von ADM International als neues Vorstandsmitglied gewählt. Neuer Vorstandsvorsitzender des Vereins ist Prof. Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Den Mitgliedern des ISCC-Vereins wurde auf der Generalversammlung außerdem das neue Integritätsprogramm vorgestellt, das eine unabhängige Kontrolle der Zertifizierungsstellen sowie des Zertifizierungsprozesses ermöglicht. Danach können künftig unabhängige Drittprüfer Zertifizierungsstellen und bereits zertifizierte Unternehmen vor Ort nochmals kontrollieren. Wenn bei diesen Nachkontrollen Abweichungen oder Fehler auftauchen, greifen – je nach Schwere der Fehler – verschiedene Sanktionen bis hin zum Ausschluss der Zertifizierungsstelle und Entzug des Zertifikats.