ISCC Systemgrundlagen

Die Gewinnung von Energie aus Biomasse wird in jüngerer Vergangenheit häufig mit den Themen Flächenkonkurrenz, steigende Rohstoffpreise und Regenwaldabholzung in Verbindung gebracht. Auf den internationalen Agrar- und Bioenergiemärkten fehlte bisher jegliche Kennzeichnung, ob Nahrungsmittel, flüssige Biomasse oder Biokraftstoffe nachhaltig produziert wurden. Die Nachfrager haben deshalb keine Möglichkeit, zwischen nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Erzeugnissen wählen zu können. Nur der Preis, aber nicht die Qualität des Produktes entscheidet über seinen Erfolg. Die Märkte bieten damit keinerlei Anreize für nachhaltig wirtschaftende Landwirte und Bioenergieproduzenten.

Als Reaktion darauf wurden Initiativen gestartet, die zu einer Differenzierung der zur Energieerzeugung verwendeten Biomasse führen, um unerwünschte ökologische und soziale Effekte zu vermeiden, die mit der Ausweitung der Biomasseproduktion in den verschiedenen Regionen der Welt einhergehen. Zertifizierung ist ein Instrument, um in Märkten nachhaltige Produkte von nicht-nachhaltigen zu unterscheiden. Nachfrager können sich damit bewusst für Nachhaltigkeit und Treibhausgaseinsparung entscheiden. Eine Zertifizierung stärkt somit verantwortliche Anbaubetriebe und verringert die Gefahr schädlicher Irrwege.

ISCC ist ein solches Zertifizierungssystem, das eine Unterscheidung von nachhaltigen und nicht-nachhaltigen Produkten erlaubt, inkl. der Zuordnung von Treibhausgasemissionen auf den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungsketten.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hat ISCC zudem als geeignetes Zertifizierungssystem für Tätigkeiten im Rahmen der 36. BImSchV (doppelte Anrechenbarkeit von Biokraftstoffen auf die Biokraftstoffquote) anerkannt. Eine doppelte Anrechenbarkeit von Biokrafstoffen auf die Biokraftstoffquote ist z.B. dann möglich, wenn die Krafstoffe aus Abfall- oder Reststoffen (z.B. Altspeisefett) hergestellt wurden.

Systemdokumente für jedes ISCC-System

Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Systeme hat ISCC für jedes der Systeme eigene Systemunterlagen erstellt:ISCC DE, ISCC DE 36. BImschV, ISCC EU und ISCC PLUS.

Im Folgenden werden einige grundlegende ISCC-Dokumente und ihr Inhalt vorgestellt:

ISCC 202 (DE, EU, PLUS): Nachhaltigkeitsanforderungen - Anforderungen an die Herstellung von Biomasse (Pflanzenanbau)

Die Nutzung von Biomasse ist im Rahmen eines nachhaltigen Wirtschaftens nur vertretbar, wenn eine nachhaltige, umwelt- und sozialverträgliche Produktion der Biomasse gewährleistet ist. Hierfür ist z. B. der Schutz bestimmter Flächen und die Einhaltung verschiedener Umwelt- und Sozialstandards unabdingbar.

Der vorliegende Standard für nachhaltige Bewirtschaftung mit seinen sechs Prinzipien und den jeweils dazugehörigen Kriterien zielt nicht nur auf die Verhinderung ökologischer Fehlentwicklungen ab, sondern auch auf die Sicherstellung angemessener Arbeitsbedingungen und Schutz von Gesundheit der Beschäftigten im Pflanzenanbau. Die Kriterien sind dabei in „Major Musts“ und „Minor Musts“ aufgeteilt (s. Anhang 1). Für ein erfolgreiches Audit müssen alle Major Musts erfüllt werden. Von den Minor Musts müssen gleichzeitig mindestens 60% erfüllt werden.

Die hier niedergelegten Standards können bei Bedarf durch Nationale oder Regionale Initiativen (Nationale oder Regionale Technische Arbeitsgruppen) durch eine Spezifikation an die örtlichen Verhältnisse angepasst werden. Hierfür sind die Regelungen in den Dokumenten ISCC 102 Nationale und Regionale Initiativen zu berücksichtigen.

ISCC 203 (DE, EU, PLUS) : Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit

Nach ISO ist unter dem Begriff Rückverfolgbarkeit die Möglichkeit zu verstehen, Werdegang, Verwendung oder Ort der betreffenden Einheit zu verfolgen, und bei Endprodukten kann dies die Herkunft von Material und Teilen sowie die Verarbeitungsgeschichte betreffen. Die Rückverfolgbarkeit umfasst nicht nur die grundlegenden Anforderungen, dass Produkte durch die Lieferkette vom Ursprung bis zum Bestimmungsort, und umgekehrt, physisch rückverfolgt werden können, sondern auch die Möglichkeit, Angaben darüber machen zu können, woraus sie hergestellt sind und was mit ihnen erfolgt ist.

Die Herkunft der für die Herstellung flüssiger Biomasse bzw. von Biokraftstoffen eingesetzten nachhaltigen Biomasse muss sich für jede einzelne Herstellungs- und Lieferungsstufe zurückverfolgen lassen.

ISCC 204 (DE, EU, PLUS): Berechnungsmethodik der Mengenbuchhaltung

Dieses Dokument beschreibt die Berechnungsmethodik der Mengenbuchhaltung bei physischer Trennung und Massenbilanzierung auf der Basis der in Dokument ISCC 203 „Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit“ genannten Rahmenbedingungen.

ISCC 205 (DE, EU, PLUS): Berechnungsmethodik der THG-Emissionen

Das Ziel der Treibhausgas(THG)-Emissionsberechnung ist die Berechnung und der Nachweis der entlang der Produktionskette anfallenden THG-Emissionen. Dies umfasst die Emissionen der Biomasseproduktion und Konversionsstufen sowie von Lagerung und Transport.

Die Informationen über die entstandenen THG-Emissionen bzw. über das entsprechende THG-Minderungspotenzial sind ein Bestandteil der für die Rückverfolgbarkeit der nachhaltigen Biomasse notwendigen Daten.

Mitgliedern der Wertschöpfungskette, die erfolgreich auditiert wurden, kann in Verbindung mit dem Nachhaltigkeits- und Chain of Custody Audit ein individueller THG-Emissionswert je Tonne des weitergegebenen Produktes zugewiesen werden, d. h., sie können ihre individuelle THG-Information an ihre Kunden weitergeben.

ISCC 207 (DE, EU, PLUS): Risikomanagement

Um die Anforderungen des Zertifizierungssystems mit möglichst hoher Sicherheit zu gewährleisten, wird ein Risikomanagementverfahren definiert. Dieses Verfahren ist integraler Bestandteil von Abläufen und Entscheidungen im ISCC System und basiert auf eine Anzahl von Risikoindikatoren, die kontinuierlich geprüft und angepasst werden.